Industriemuseum Henrichshütte Hattingen

Im Süden des Reviers erhebt sich mit der Henrichshütte Hattingen eine der eindrucksvollsten Industriekulissen des Ruhrgebiets. Es ist heute ein beliebtes und beeindruckendes Industriemuseum des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL).

Zwischen gewaltigen Rohrleitungen, rostfarbenen Stahlgerüsten und dem mächtigen Hochofen wird sichtbar, welche Dimensionen die Eisen- und Stahlproduktion einst hatte. Wo früher Erz verarbeitet und Stahl gekocht wurde, bewegt man sich heute durch ein weitläufiges Gelände aus Industriearchitektur, Technikgeschichte und überraschend viel Industrienatur.

Besonders prägend ist der Hochofen 3 – der älteste erhaltene Hochofen im gesamten Ruhrgebiet. Von außen wirkt die Anlage wie ein riesiges technisches Labyrinth aus Treppen, Rohren und Plattformen. Wer den Hochofen erklimmt oder bequem mit dem Aufzug hinauffährt, erhält einen weiten Blick über Hattingen, das Ruhrtal und die umliegenden Industrieanlagen.

Viele Bereiche des ehemaligen Hüttenwerks können frei erkundet werden. Themenwege erklären anschaulich den Weg vom Erz zum Stahl, zeigen die Tier- und Pflanzenwelt der Industriebrache oder vermitteln die Geschichte der Anlage auf spielerische Weise auch für jüngere Besuchende.

Vorgestellt werden das Industriemuseum Henrichshütte mit dem Hochofen und der Gebläsehalle, die temporäre Veranstaltung Lumagica auf dem Museumsgelände sowie die „Menschen aus Eisen“ im Henrichspark vor der Kulisse der Anlage.

Aktueller Hinweis: Der Hochofen ist aufgrund von Bauarbeiten derzeit nicht zugänglich. Der Eintritt ist daher etwas günstiger als gewöhnlich. Ein Besuch ist allerdings dennoch empfehlenswert.

Ein bisschen Geschichte der Henrichshütte

Die Henrichshütte wurde 1854 von Graf Henrich zu Stolberg-Wernigerode gegründet und entwickelte sich über viele Jahrzehnte zu einem bedeutenden Eisen- und Stahlstandort im Ruhrgebiet. Benannt wurde das Werk nach seinem Gründer. Später gehörte die Hütte zum Thyssen-Konzern und beschäftigte zeitweise mehrere tausend Menschen. Produziert wurden unter anderem Roheisen, Stahl und schwere Schmiedeteile für Industrie und Maschinenbau.

Ab den 1980er Jahren begann schrittweise die Stilllegung des Werkes. 1987 endete die Roheisenproduktion, weitere Bereiche wie Stahlwerk und Schmiede folgten bis 2004. Damit schloss die letzte Produktionsanlage genau 150 Jahre nach der Gründung der Hütte. Bereits 1989 übernahm der Landschaftsverband Westfalen-Lippe das Gelände und wandelte es nach und nach in ein Industriemuseum um. Heute zählt die Henrichshütte zu den wichtigsten Orten der Industriekultur im Ruhrgebiet und verbindet auf besondere Weise Technikgeschichte, Denkmalpflege und neue Natur auf ehemaligem Industriegelände.

Ein Spaziergang über das Hüttenwerk

Ausgerüstet mit einem kleinen Flyer oder einfach den Themenrouten folgend beginnt der Rundgang über das große Gelände an der Gebläsehalle, die wir zum Schluss besuchen werden. Die Routen führen schließlich alle zum Probenhaus, Gaswascher und zur Übergabestation am Ruhrhang. Es gibt dabei viele Details zu entdecken und anzufassen.

Blick durch rostige Stahlstützen und vorbei an einem Waggon auf eine orangefarbene Rangier­lokomotive auf einem Werksgelände.
Großer zylindrischer Industrietank mit angeschlossenen Rohren und Ventilen, alles von Rost und Moos überzogen.
Blick auf das Werksgelände der Henrichshütte: Alte Backsteingebäude, eine grüne Lokomotive auf Gleisen, im Hintergrund bewaldete Hügel mit Wohnhäusern.

In der äußersten Ecke des Geländes der Henrichshütte befindet sich ein Themenspielplatz. Er greift das Thema Hochofen und Baustelle in einer sehr schön umgesetzten Form auf.

Auffahrt auf den Hochofen 3

Höhepunkt aller Themenrouten ist im wahrsten Sinne des Wortes jedoch die Auffahrt mit dem Lift auf den Hochofen 3. Von der Gießhalle oder der Fahrstraße unter dem Hochofen fährt ganz bequem der Aufzug auf eine Aussichtsplattform. Wer noch höher hinaus möchte, kann außerdem ein paar Treppenstufen steigen und bis kurz unter die Spitze des Hochofens der Henrichshütte steigen. Von beiden Plattformen lässt sich dann das gesamte Gelände des Hüttenwerkes, des ehemaligen benachbarten Stahlwerks und das Ruhrtal sehr gut überblicken. Man entdeckt, dass aus einigen Kokillenwagen Biotope mit ungewöhnlichen Teichen geworden sind und wie weit sich das begehbare Gelände noch nach Süden zieht.

Panoramablick vom Hochofen 5: Henrichshütte mit Möllerbunkern, Gebläsehalle und das weite Ruhrtal bei Hattingen
Panoramablick vom Hochofen 5: Henrichshütte mit Möllerbunkern, Gebläsehalle und das weite Ruhrtal bei Hattingen

Gebläsehalle

Wenn sie beim Besuch zugänglich ist, sollte man nicht zögern, die Gebläsehalle der Henrichshütte zu besichtigen. Auf zwei Etagen lassen sich dann riesenhafte Maschinen in spannender Industriearchitektur anschauen. Feuchte Stellen am Putz, Fliesen an den Wänden und am Boden sind größtenteils zersprungen und die Maschinen sind staubig. Dazu rostige Stahlträger und eine alte Kranbahn – die Halle hat ihren ganz eigenen Charme.

Eine große Maschine in einer Halle von der Seite gesehen
Detailansicht einer Maschine in einer Halle. An der Maschine steht DEMAG in haptischen Lettern. Davor rostige Rohre, Regler und Verbindungsstangen

Das Untergeschoss der Halle wird häufig für Ausstellungen genutzt. Der Charakter einer Ausstellung ist im großen Foto zu sehen, die Fotos daraus stammen allerdings aus diesem Artikel.

Ein dunkler Kellerraum mit zahlreichen ausgestellten Bildern

Lumagica

Alte Industrieanlagen bieten sich förmlich dazu an, durch farbiges Licht besonders in Szene gesetzt zu werden. Bereits zum wiederholten Mal findet der „Lichterpark LUMAGICA“ statt. Dabei werden der alte Hochofen und die umliegenden Anlagenteile farbig beleuchtet. Immer wieder findet man besondere Licht-Skulpturen, die zum Teil interaktiv durch Besuchende zu bedienen sind. Besonders schön ist natürlich abermals der Blick von der höchsten Plattform des Hochofens auf das Gelände.

Die folgenden Aufnahmen zeigen einen Rundgang durch die Henrichshütte während LUMAGICA 2022/2023. Bei genauerem Hinschauen entdeckt man einige der Motive, die in den Fotos oben bei Tageslicht abgebildet sind.

Hinweis: Es gelten gesonderte Eintrittspreise. Onlinetickets sind empfehlenswert.

Folge dem Licht
Folge dem Licht: LUMAGICA auf der Henrichshütte Hattingen
Bunte Kugeln und Sterne
Bunt beleuchtete Lok und Anlagen eines Hochofens
Lok vor dem Hochofen der Henrichshütte
Alter Dieseltriebwagen vor dem Hochofen der Henrichshütte zur LUMAGICA 2022/2023
Alter Dieseltriebwagen vor dem Hochofen der Henrichshütte zur LUMAGICA 2022/2023
Hochofen und Licht-Skulpturen zum Thema Wetter oberhalb der Möllerbunker
Hochofen und Licht-Skulpturen zum Thema Wetter oberhalb der Möllerbunker

Die Menschen aus Eisen im Henrichspark

Wer von der Henrichshütte dem Fußweg zur historischen Altstadt folgt, begegnet im Henrichspark rostigen Eisenskulpturen. Es sind über 2 Meter hohe Skulpturen des polnischen Bildhausers Zbigniew Frączkiewicz. Sie wurden 1996 geschaffen und standen zunächst an anderen Orten. Im Jahr 2020 wurden sie zum heutigen Standort an der Wegkreuzung im Henrichspark umgestellt.

Auffällig ist dabei ihre unverhüllte Körperlichkeit. Die Figuren zeigen den männlichen Körper ohne Beschönigung oder Verkleidung oder Bekleidung, nüchtern und direkt. Gerade dadurch entsteht ein interessanter Kontrast zur technischen Welt der Hochöfen und Industrieanlagen. Vor der rauen Kulisse der Henrichshütte entfalten die Skulpturen eine besondere Atmosphäre. Irgendwie zwischen Kunstwerk, Denkmal und stummen Zeugen der Industriegeschichte.

Spaziergänger halten jedenfalls meistens an den Skulpturen und machen Fotos. Und vielleicht gehen sie auch – mal mehr, mal weniger schüchtern – ein bisschen auf Tuchfühlung.

Vier rostige Eisenskulpturen menschlicher Figuren stehen verteilt in einer Wiese. Im Hintergrund ist eine stillgelegte Industrieanlage mit Hochofen und Schornstein zu sehen.
Blick über eine Wildblumenwiese mit lila Distelblüten auf eine stillgelegte Industrieanlage mit Schornstein und Hochofen im Hintergrund.

Tipp des Autors:

Das Museum ist äußerst lohnenswert und auch für Familien gut geeignet – aufgrund der meisten Wege im offenen Gelände aber am besten bei trockenem Wetter. Man kann den Besuch gut mit der schönen Altstadt von Hattingen kombinieren. Ein Besuch als Abstecher vom RuhrtalRadweg ist einfach durchzuführen. Entlang der Trasse der Ruhrtalbahn Richtung Hagen und Dahlhausen befinden sich zahlreiche weitere sehr lohnenswerte Ziele, die mit dem Museumszug oder auch mit dem PKW in einer Kette je nach Geschmack zu einem ganzen Erlebnistag kombiniert werden können, beispielsweise das Eisenbahnmuseum Bochum, die Burg Blankenstein im gleichnamigen romantischen Vorort, der Kemnader See, die Zeche Nachtigall mit Stollenführung im bergbauhistorisch äußerst interessanten Muttental bei Witten.

Informationen zum Besuch:

Öffnungszeiten und Eintrittspreise:

Das LWL-Industriemuseum Henrichshütte ist Di-So und an bestimmten Feiertagen 10.00-18.00 Uhr geöffnet.

Auf diesen Internetseiten sind die Eintrittspreise kategorisiert. Die Kosten für den Eintritt für einen Erwachsenen für dieses Museum entsprechen der kleinsten Kategorie € (unter 5,- Euro pro Person). Genaue Preise, Rabatte und Ermäßigungen sind jedoch der offiziellen Internetseite oder Aushängen zu entnehmen. Für Besitzer der Ruhr.Topcard ist der Eintritt einmalig frei.

Für besondere Veranstaltungen (zum Beispiel LUMAGICA) gelten unter Umständen besondere Eintrittspreise und Öffnungszeiten. An bestimmten Terminen werden außerdem besondere Attraktionen oder Aktivitäten und sogar eintrittsfreie Tage angeboten – nachzulesen sind die Termine, Eintrittspreise und Hinweise auf der Internetseite des Museums.

Im Museum selbst gibt es Gastronomie. In der nahen Altstadt Hattingens findet man ein großes gastronomisches Angebot. Natürlich gibt es auf dem Museumsgelände sanitäre Einrichtungen.

Trotz des eigentlich schwierigen Geländes in den Anlagen lassen sich die meisten Bereiche über Rampen oder Aufzüge barrierefrei mit Rollstühlen und Kinderwagen erreichen. Hunde können im Freigelände an der Leine mitgenommen werden.

Anreise mit dem Auto:

Auf der A43 bis zur Ausfahrt 21 Witten-Herbede. Aus Richtung Bochum dem Verlauf folgen, aus Richtung Wuppertal links abbiegen. Kurz darauf rechts auf die Wittener Straße Richtung Hattingen durch Blankenstein etwa 5 km folgen. Hier abfahren und links abbiegen auf die Straße Am Büchsenschütz. Der Beschilderung zur Henrichshütte (braune Schilder der Route Industriekultur) folgen. Der Haupteingang und Parkplätze des Museums liegen an der Werkstraße.

Zieleingabe in das Navigationssystem: Werkstraße 31-33 in Hattingen

Anreise mit Bus und Bahn:

Von Essen Hbf. oder Oberhausen mit der S3 bis Hattingen (Ruhr) Mitte, der Endstation. Von hier zu Fuß etwa 1,8 km durch die Innenstadt entlang des Obermarktes, der Heggerstraße und die Hüttenstraße auf die August-Bebel-Straße, hier den rechten Fußgängerweg nutzen und nach einigen Metern rechts den abzweigenden Fußgängerweg auf das niedrigere Straßenniveau nutzen. Links bis zum Haupteingang entlang der Werksstraße.

Alternativ vom S-Bahnhof mit verschiedenen Buslinien bis Werkstraße. Hier der Beschilderung zur Henrichshütte zurück folgen – hinter dem Baumarkt links, im Kreisverkehr rechts.

Anreise mit dem Museumszug:

Auf der Museumbahnstrecke zwischen Witten-Wengern und dem Eisenbahnmuseum Bochum werden Fahrten mit historischen Fahrzeugen angeboten, die auch an der Henrichshütte halten und verschiedene Sehenswürdigkeiten im Ruhrtal miteinander verbinden. Informationen zum Betrieb finden Sie im aktualisierten Beitrag zum Eisenbahnmuseum (Abschnitt Anreise ► Museumusbahn).

Anreise mit dem Fahrrad / E-Bike bzw. für Wandernde:

Unweit des Museums führen der bekannte RuhrtalRadweg, der Radweg Von Ruhr zu Ruhr und der Rundkurs Ruhrgebiet vorbei. Direkt in Hattingen beginnt der WestfalenWanderWeg nach Altenbeken.

Kartenmaterial / Literatur:

In den folgenden gedruckten Rad- und Wanderkarten und Tourenführern ist die Henrichshütte bzw. die Region abgebildet: ADFC Regionalkarte radrevier.ruhr Ost* (1:50.000) und ADFC Regionalkarte radrevier.ruhr West* (1:50.000) sowie Kompass Fahrradkarte Ruhrgebiet / Bergisches Land* (1:70.000), Kompass Fahrrad-Tourenkarte RuhrtalRadweg* (1:50.000) und Kompass Wanderkarte Baldeneysee / Elfringhauser Schweiz* (1:25.000).

Diese thematisch passenden Bücher empfehle ich zur Vertiefung: Abenteuer im Ruhrgebiet: Lilly, Nikolas und das Bergmannstagebuch* und Der Pott – Industriekultur im Ruhrgebiet*

Koordinaten für GPS-Geräte und zur Tourenplanung

Geographische Koordinaten:
51°24’27.01″N, 7°11’16.99″E – Parkplatz
51°24’25.11″N, 7°11’23.20″E – Hochofen
51°24’18.55″N, 7°11’03.06″E – Menschen aus Eisen
Die Koordinaten können in das Eingabefeld von beispielsweise GoogleEarth und OpenStreetMap kopiert werden.

UTM-Koordinaten (Zone 32):
373977 m, 5696700 m – Parkplatz
374096 m, 5696638 m – Hochofen
373699 m, 5696446 m – Menschen aus Eisen

Weitere Informationen:

Offizielle Internetseite zur Henrichshütte: www.henrichshuette.de
Förderverein Henrichshütte: www.unsere-henrichshuette.de
LUMAGICA: www.lumagica.de/hattingen