Die Römer-Lippe-Route: Teil 2 von Lünen nach Haltern

Eine spannende Verbindung zwischen erlebbarer Geschichte und schöner Flusslandschaft ermöglicht die Radtour auf der Römer-Lippe-Route. Fast 300 Kilometer lang erstreckt sich die Hauptroute zwischen Xanten und Detmold quer durch NRW und dabei vor allem entlang des Flusses Lippe. Dieser schlängelt sich in zahlreichen Schleifen und mit einigen Auen bis zu seiner Mündung in den Rhein und wird streckenweise von schiffbaren Kanälen begleitet. Die Tour folgt außerdem der Spur der Römer von der alten Römerstadt Colonia Ulpia Traiana über einige nachgewiesene Römerlager bis zum Hermannsdenkmal am zeitweise vermuteten Ort der Varusschlacht am Teutoburger Wald. Neben der Hauptroute existieren an einigen Orten Themenschleifen zum Wasser oder über die Römer mit einer zusätzlichen Gesamtlänge von 154 Kilometern. Insgesamt lassen sich also rund 450 Kilometer zwischen Teutoburger Wald und Niederrhein auf dieser Tour abradeln.

In diesem Beitrag wird die Etappe zwischen Lünen und Haltern am See näher vorgestellt. Sie hat eine Länge von ca. 44 Kilometern und verbindet die jeweiligen Bahnhöfe miteinander. Dabei handelt es sich nicht um eine offizielle Etappe. In der folgenden Übersichtskarte ist der beschriebene Abschnitt mit einem pinkfarbenen Band von Ost nach West markiert. Die vorherige und folgende Etappe ist jeweils blau gekennzeichnet. Das rote Band markiert die Victoriaschleife, eine Alternativroute und Umgehung von Haltern am See entlang des Wesel-Datteln-Kanals bis Marl, die im dritten Teil vorgestellt wird.

Karte Römer-Lippe-Route Etappe Lünen-Haltern
Karte Römer-Lippe-Route Etappe Lünen-Haltern

Die mit Nummernpunkten gekennzeichneten Orte ( 1 , 2 usw.) werden im Text näher beschrieben. Für eine Tourplanung sind die genannten Bahnhöfe (Bf) eingezeichnet. Einige Anschlüsse zu anderen Radwegen wie dem Lippeauenweg oder der Radroute Dortmund-Ems-Kanal an der Alten Fahrt bei Olfen werden mit blauen Pfeilen gekennzeichnet.

Beschilderung, Wegebeschaffenheit und Nahverkehr:

Die Hauptroute ist durch ein mehrfarbiges Logo mit rotem Hintergrund, blau geschwungenem Fluss und einem weißen Römerhelm markiert (sichtbar im Titelbild ganz oben). Dieses Logo findet sich an den wichtigen Kreuzungen meist im Zusammenhang mit den weiß-roten Richtungsschildern des Radverkehrsnetzes NRW. Vereinzelt ist an Abzweigungen den einfachen weiß-roten Schildern mit einem Fahrrad-Piktogramm und einem Pfeil zu folgen – diese gelten für alle an dieser Stelle führenden Fahrradwege, also auch für Radler auf der Römer-Lippe-Route. Die Wassererlebnis-Schleife hat ein blaues Piktogramm, die Römerkultur-Schleife ein dunkelrotes. Abschnittsweise verlaufen andere Radwege parallel, so zum Beispiel die Tour „Rundum Olfen“ oder der Lippeauenweg.

Kartenmaterial / Literatur: In den dargestellten gedruckten Rad- und Wanderkarten und Tourenführern ist die Region des in diesem Beitrag beschriebenen Ortes abgebildet. Die thematisch passenden Bücher sind zur Vertiefung empfohlen. Mit Klick auf die jeweilige Karte gelangen Sie zur entsprechenden Seite bei Amazon*.

     

Im beschriebenen Streckenabschnitt können An- und Abreise gut mit der Bahn erfolgen. In Lünen bestehen vom zentrumsnahen Hauptbahnhof Verbindungen nach Dortmund, Enschede bzw. Dülmen und Münster. In Haltern am See bestehen Verbindungen Richtung Münster, Essen und Bottrop. Eine Rückkehr zum Ausgangspunkt erfolgt bei Bedarf je nach Verbindungswahl mit zweimaligem Umstieg in Essen und Dortmund oder einmal in Münster oder Dülmen. Einen Bahnanschluss hat die Römer-Lippe-Route auch in Selm-Bork mit Verbindung zurück nach Lünen oder nach Enschede bzw. Dülmen. Zwischen Lünen und Selm sowie zwischen Selm und Haltern gibt es auf längere Strecke keine Bahnhöfe.

Anreise zum Ausgangspunkt in Lünen:

Anreise mit dem Auto: Auf der A2 bis zur Ausfahrt 15 Kamen / Bergkamen. Aus Richtung Kamener Kreuz / Hamm rechts abbiegen, aus Richtung Dortmund links abbiegen auf die Lünener Straße und dieser bis Lünen folgen. In Lünen ist selbständig ein geeigneter Parkplatz zu suchen. Ich empfehle Wohngebiete am Stadtrand, wo kostenlos und zeitlich unbegrenzt geparkt werden kann. Durch die gute Anbindung ist die Anreise mit der Bahn eine geeignete Alternative (siehe unten).

Anreise mit Bus und Bahn: Mit den Zügen des Nahverkehrs (RB 50 und 51) bis Lünen Hbf. Vom Bahnhof / ZOB in die Innenstadt und an der Lippebrücke in der Fußgängerzone in die Tour einsteigen.

Anreise mit dem Fahrrad: Natürlich kann die Tour von der vorherigen Etappe der Römer-Lippe-Route fortgesetzt werden. In Lünen bestehen weiterhin direkte Anschlüsse an den Sesekeweg und an den Lippeauenweg. An der Mühle Buddenburg kann zum Emscher-Park-Radweg am nahen Datteln-Hamm-Kanal und zum Radweg auf der Seilbahntrasse in Brambauer gewechselt werden. In der Übersichtskarte sind die Anschlüsse durch blaue Pfeile markiert.

Zum Teil 1: Von Hamm nach Lünen
Zum Teil 3: Von Haltern nach Wesel

Von Lünen in die Lippeaue

Wir beginnen am Hauptbahnhof von Lünen. Die Bezeichnung lässt über den Bahnhof schmunzeln, da man darunter sicherlich eher etwas mit vielen Bahnsteigen, Fernverkehr und dichtem Takt erwartet. Lassen Sie sich aber gesagt sein, dass es in NRW noch kleinere Hauptbahnhöfe gibt – beispielsweise in Gevelsberg oder Remscheid. Auch Bottrop ist so ein Kandidat. Immerhin ist Lünen die größte Stadt im Kreis Unna, dessen Kreisstadt wiederum keinen Hauptbahnhof besitzt. Doch bevor der ein oder andere nur noch Bahnhof versteht, satteln wir endlich das Rad.

Der Bahnhof hat mehrere Ausgänge. Ich beziehe mich auf den zum Vorplatz vor dem Bahnhofsgebäude an der Münsterstraße. Von dort geht es links. Sind Sie am Seitenausgang am Zentralen Omnibusbahnhof gelandet, müssen Sie zunächst rechts und dann ebenfalls links. Wir gelangen zum Platz an der Persiluhr. Hier beginnt auch die Fußgängerzone. Man darf sich nicht von den Eisdielen (mit den wirklich toll dekorierten Frucht-Bechern) ablenken lassen, da wir ohne viele Meter gefahren zu sein schon ins Ess-Koma gleiten würden. Die Besonderheit von Lünen ist, dass die Lippe mitten durch die Innenstadt fließt und die Fußgängerzone über eine Brücke hinüber geführt wird. Vor dieser blauen Bogenbrücke biegen wir rechts ab und folgen der Lippepromenade, die auch eine Treppe zum Wasser bietet.

Auf dieser Promenade stoßen wir auf eine sogenannte Erlebnisstation des Lippeauenweges. Dies ist, wie wir in der ersten Etappe schon gelernt haben, ein Rad- und Wanderrundweg durch die Lippeauen östlich und westlich von Lünen. Bis zur Mühle Buddenburg ist die Tour mit unserer deckungsgleich, aber in umgekehrter regulärer Laufrichtung. Die Erlebnisstationen erläutern Besonderheiten in der Tier- und Pflanzenwelt, Geschichte oder andere Themen rund um die Lippe. In diesem Fall ist es die Fluss-Schifffahrt auf der Lippe, die zum Anfang des 20. Jahrhunderts eingestellt wurde. Wir werden bis zum Haus Buddenburg noch einige der über ein Dutzend Stationen des Weges passieren, verlassen aber jetzt erst einmal die Innenstadt.

Kaum haben wir die Stadtmitte verlassen, befinden wir uns auf einem hohen Deich am Rande der 1 Auenlandschaft. Die Lippe fließt links von uns. Wir können die Schottischen Hochlandrinder beobachten und sehen das markante STEAG-Kraftwerk mit seinen zwei Kühltürmen schon vor uns. Die nächste Erlebnisstation liegt an einem kleinen Aussichtspunkt im Bereich eines Pumpwerks und behandelt die Uferbefestigung der Lippe. Ein zweiter Aussichtspunkt ist durch eine Kilometertafel im Stil der Römer-Lippe-Route markiert. In römischen Ziffern CLXXXVI, aber auch in gewohnten arabischen Zahlen ist die Entfernung vom Startpunkt im Teutoburger Wald angegeben.

Hinter der Lippeaue befand sich bis vor Kurzem noch ein Kraftwerk, das inzwischen teilweise abgerissen ist
Hinter der Lippeaue befand sich bis vor Kurzem noch ein Kraftwerk, das inzwischen teilweise abgerissen ist

Haus und Mühle Buddenburg

An der Heikenbergsiedlung biegen wir links ab. Wir erreichen das alte 2 Haus Buddenburg. Es steht auf einem alten Burggelände aus dem 13. Jahrhundert. Das Wasserschloss aus der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde 1977 abgerissen. Es bestand aus einem großen Hauptgebäude und zwei kleineren Nebengebäuden rechts und links der Einfahrt. Heute markieren Hecken die Lage der schon seit Jahrzehnten nicht mehr vorhandenen Gemäuer. Informationstafeln zeigen historische Ansichten des Anwesens. Ein hölzernes Bett, ein Stehpult, ein gedeckter Tisch und andere Gegenstände vermitteln wieder auf besondere Art und Weise Geschichten als „Erlebnisareal“. Viel gibt es zu entdecken und zu erforschen.

Hinter der Lippebrücke fahren wir auf der Schloßallee zur Mühle Buddenburg. Die alte Wassermühle im schönen Fachwerkhaus steht auf der linken Seite am Rande eines kleinen Teiches. Sie geht zurück aufs 16. Jahrhundert, das Gebäude im Fachwerkstil auf das 18. Jahrhundert. In den 1930er Jahren wurde die Mühle aufgegeben und der Teich später verfüllt. Nach der Jahrtausendwende wurden das Gebäude und Gelände im heutigen Zustand restauriert. Hier besteht die Möglichkeit, einen etwa 2 km langen Abstecher zum Colani-Ufo im Stadtteil Brambauer zu machen oder auf dem Radweg auf einer alten Seilbahntrasse bis zu einer Halde zu fahren. Außerdem führt von hier aus der Lippeauenweg am Südrand der Aue zurück nach Lünen.

Wenig romantisch geht es zwischen Kraftwerk und Müllverarbeitung und rechts auf dem begleitenden Radweg auf der anderen Seite zwischen Straße und Schiene entlang. Kurz hinter der Stadt- und Kreisgrenze biegen wir links ab und verlassen die Kreisstraße 1. Weiter geht es für ein Stück entlang am Ufer des Datteln-Hamm-Kanals nach Waltrop im Kreis Recklinghausen. Doch schon vor der übernächsten Brücke biegen wir rechts ab. Es geht ein Stück bergauf auf das Straßenniveau und dann auf der Industriestraße von Waltrop wieder weg.

Von Buddenburg nach Selm

Alternativ kann man sich in Richtung Waltrop begeben und mit einem weiteren Abstecher von ca. 2 km (4 km hin und rück) die Zeche Waltrop erreichen. Das sind sehr schöne und sehenswerte Gebäude. Direkt an das Zechengelände grenzt die langgestreckte Halde Brockenscheidt an, auf der sich mit dem Spurwerkturm ein ganz besonderer Aussichtsturm steht, der aus Materialien aus dem Bergbau gefertigt ist.

Die eigentliche Römer-Lippe-Route berührt Waltrop ansonsten nur. Von der Kanalbrücke aus entfernen wir uns auf straßenbegleitendem Radweg von der Stadt und vom Kanal, überqueren den Schwarzbach und später die Lippe. Dies geschieht abermals über eine markante Stahlbogenbrücke. Mit der Überfahrt erreichen wir wieder den Kreis Unna und das Stadtgebiet von Selm. Hinter der Bahnunterführung fahren wir an der Ampel links in die Ortsmitte des Stadtteils Bork. Unweit der Kirche St. Stephanus geht es durch einen verkehrsberuhigten Bereich zur Bahnhofstraße.

Im bald erreichten Kreisverkehr kann rechts abgebogen werden, um den Bahnhof Bork der Westmünsterlandbahn zwischen Enschede, Dülmen, Lünen und Dortmund zu erreichen. Bis Haltern ist dies die letzte Möglichkeit, mit dem Zug zum Ausgangspunkt zurückzukehren. Noch können Sie überlegen, ansonsten heißt es durchzuhalten.

Alte Fahrt und eine Brücke mit „Wasser oben“

Wir müssen im Kreisverkehr geradeaus fahren, um die Tour tapfer fortzusetzen. Es beginnt nun ein Abschnitt auf einem Radweg neben der alleenartigen Vinnumer und später Borker Straße. Dabei ist die Landschaft weiterhin sehr ländlich und der Verkehr vergleichsweise wenig störend. Stellenweise ergeben sich linkerhand ganz gute Ausblicke über die Felder. Die vielen Wiesen und Felder zeigen an, dass man sich hier am Rande des Ruhrgebiets befindet, das mit der bald folgenden Kreisgrenze auch direkt verlassen wird. In Vinnum, bereits wieder Kreis Recklinghausen, folgen wir dem Straßenverlauf und überqueren die Hauptstraße. Durch ein kurzes Wäldchen geht es abwärts zum Kanal, abrupt endet der Weg an einem Umleitungsschild und führt aufgrund der Kanalbaustelle langfristig rechts bergauf. Am Ende geht es links auf den Olfener Landweg. Die schmale Kanalbrücke nutzen wir zur Querung des Dortmund-Ems-Kanals. Wenige hundert Meter dahinter geht die Umleitung links und sofort rechts bergab zur Alten Fahrt. Das ist ein ursprünglicher Verlauf des Dortmund-Ems-Kanals durch Olfen, der heute jedoch aufgrund der „Ortsumgehung“ für die Schiffe, die wir eben überfahren haben, unnötig geworden und stillgelegt ist. Hinter der Brücke über die 3 Alte Fahrt geht es links, kurz darauf rechts durch die Felder.

Luftbild der Brücke des Dortmund-Ems-Kanals über die Lippe
Luftbild der Brücke des Dortmund-Ems-Kanals über die Lippe

Hinter einem Waldstück wird die B235 geradeaus gequert. Vorbei an einem Bauernhof geht es zügig und abwechslungsreich durch Felder und Waldabschnitte weiter. Achtung: Ein linker Abzweig in Höhe der Kläranlage kommt plötzlich und war beim eigenen Besuch schwer einsehbar ausgeschildert – das im schrägen Winkel abzweigende Schild war nur im Rückblick zu sehen. Hier also aufpassen! Wir fahren in einen Wald und sehen durch die Bäume einen fast vergessenen Begleiter – die Lippe. Wenig später lädt ein Rastplatz mit Lippeblick zu einer Verweil ein.

Von Eversum nach Flaesheim

Frisch gestärkt passieren wir die Waldferiensiedlung Eversum. Ich wundere mich vor Ort etwas über die ganzen Häuschen. Doch der Fehler lag bei mir: in den Karten zur Vorbereitung der Tour habe ich immer fälschlicherweise „Waldfriedhof“ gelesen. Hinter dem Wald gelangen wir zur Eversumer Straße. Auf der anderen Straßenseite bietet sich ein getrennter begleitender Radweg an. Links liegt der Freizeitpark Gut Eversum. Der Radweg endet, ein kurzes Stück müssen wir uns die Straße mit dem Autoverkehr teilen. Wir müssen abermals die Lippe überqueren und erreichen Ahsen. Bäckerei und Gasthof bieten sich abermals für eine Stärkung an. Hinter der großen Ampelkreuzung führt der Radweg neben der Straße die Rampe zur Kanalbrücke hoch. Womöglich wird der ein oder andere Leser nun verwirrt, aber es ist seit Lünen der vierte Kanal auf unserer Tour nach dem Datteln-Hamm-Kanal, dem Dortmund-Ems-Kanal und der Alten Fahrt: der Wesel-Datteln-Kanal, der vom von uns geschickt umfahrenen Kanalstraßenkreuz Datteln bis nach Wesel am Rhein führt und von nun an neben der Lippe zeitweiser Begleiter bis kurz vor dem Endziel der gesamten Route sein wird. Früher trug er sogar den passenderen Namen „Lippe-Seitenkanal“.

Wir passieren die künstliche Wasserstraße zunächst, biegen in einiger Entfernung kurz hinter der willkommenen Rampen-Abfahrt (für die Sprinter ist dabei bergab eine scharfe Bremsung nötig) rechts ab. Wald und Weiden wechseln sich ab, vom Wasser ist nichts zu sehen. Das ist in einigen hundert Metern Entfernung auf der rechten Seite. Wir erreichen den Kanal nach 1,5 Kilometern hinter dem Campingplatz. Eine Brücke führt zurück auf die nördliche Seite. Dazu fahren wir hinter der Brücke zweimal rechts und unterqueren sie in einer kleinen Schleife. Der nächste Abschnitt führt am Kanalufer entlang. Hier kann man auf ebener Strecke feste in die Pedale treten und Zeit und Strecke gut machen. Und die nachfolgenden Radfahrer in eine Staubwolke hüllen.

Vorbei an der Schleuse nutzen wir die Brücke zu einer Kanalquerung und erreichen Flaesheim.

Alternativstrecke Lippefähre Maifisch:

Bei Flaesheim lässt sich die kleine Lippefähre „Maifisch“ (5) nutzen, die eine Abkürzung zum Ort darstellt. In der vorherigen Etappe bei Hamm haben wir eine ähnliche Fähre, die „Lupia“, am Schloss Oberwerries genutzt. Die Fähre wird von den Fahrgästen selbst bewegt. Sie ist nur im Sommerhalbjahr nutzbar und überwintert an einem anderen Ort.

Flaesheim wird mit langem A ausgesprochen. Besondere Sehenswürdigkeit ist die 4 Stiftskirche Maria Magdalena aus dem 14. Jahrhundert. Und die ist tatsächlich sehr schön. Da der Radweg direkt daran vorbei läuft, kann man hier auch mal an- und innehalten.

Lippefähre Maifisch bei Flasheim über den Fluss
Lippefähre Maifisch bei Flasheim über den Fluss

Abstecher auf den Rennberg (Feuerwachtturm):

Für E-Bike-Fahrer oder traditionelle Radler mit noch ausreichender Kondition lohnt (bei guter Sicht und Öffnungszeit) ein ganz besonderer Abstecher. Etwa 3 Kilometer südlich von der Kirche in Flaesheim befindet sich mitten im Wald der Haard auf dem ca. 138 Meter über dem Meeresspiegel hohen Rennberg ein Feuerwachtturm. Der Waldweg führt dabei vorbei am Spielplatz und Kohlenmeilerplatz stetig insgesamt etwa 100 Höhenmeter bergauf und nach 2,5 Kilometern rechts ab zum höchsten Punkt. Der Turm wurde 2010 als Ersatz für einen Vorgänger errichtet und ist 35 Meter hoch. Das Gerüst besteht aus Stahl und hat eine dreieckige Grundform. Ganz oben befindet sich eine Kanzel, in der eine Person den Wald überblickt und die bei der Entstehung von Waldbränden rechtzeitig Alarm schlagen kann. Besetzt ist die Brandwache jährlich von April bis September tagsüber von 11.00 bis 18.00 Uhr. Dies ist bedeutsam für Besucher, da die Aussichtsplattform ganz oben nur während dieser Zeiten zugänglich ist.

Ganz oben reicht der Blick weit über die grüne Haard, zum Halterner und Hullerner See und Richtung Ruhrgebiet, wo insbesondere die Bergehalden markant hervorstechen. Hat man den Rennberg bezwungen und den Turm erklommen, so folgt nun eine erholsame Bergabfahrt zurück zur Kirche. Zuvor kann man sich am Rastplatz unterhalb des Turms stärken und Pausieren.

Zurück zum eigentlichen Radweg. Neben der Flaesheimer Straße verläuft wieder ein getrennter Radweg bis zur Kreuzung Flaesheimer Damm. Unberührt vom Straßenverkehr biegen wir nun rechts ab. Es ist eine lange gerade Strecke, die vor uns liegt. Von der Kanalbrücke reicht der Blick zur Schleuse Flaesheim zurück. Hinter der Lippebrücke stoßen auch die Radfahrer wieder dazu, die die Fähre gewählt haben.

Von Flaesheim zum Halterner See

Es geht immer noch lange geradeaus weiter parallel zum vielbefahrenen Flaesheimer Damm. Bald erreichen wir aber den Parkplatz Westruper Heide. Die 6 Westruper Heide ist eine kleine, aber sehr eigentümliche Kulturlandschaft mit ihrer größten Fläche jenseits der anderen Straßenseite. In einer dreieckigen Form findet man hier die typischen Heidekräuter und Wacholder. Ein Spaziergang lohnt vor allem in der Zeit der Heideblüte im Sommer. Mit dem Fahrrad ist eine Befahrung nicht erlaubt. Wer sich ein wenig die Beine vertreten möchte, kann das Fahrgerät am Parkplatz abstellen und eine kleine Tour zu Fuß durch die Heide machen. Die Römer-Lippe-Route umfährt die Heide, auf die man im weiteren Verlauf auch gute Einblicke vom Radweg hat.

An der Ampel geht es links und schattig am hinter Bäumen versteckten Nordrand der Heide weiter. Am Seehof stoßen wir auf den 7 Halterner Stausee. Es ist ein Stausee zur Trinkwassergewinnung und daher nur begrenzt für Freizeitnutzung zugänglich. Viele Uferbereiche sind abgesperrt. Das Strandbad am Südufer mit Sandstrand ist an besonders schönen Sommertagen – ebenso wie der nahe Silbersee II – sehr gut besucht, sodass es schon auf der Autobahn zu langen Staus in Höhe der Abfahrt Haltern kommt. Freie Parkplätze sind dann Mangelware. Aber für einen Drahtesel lässt sich sicherlich immer noch irgendein Plätzchen finden.

Der Radweg überquert eine kleine Brücke unmittelbar neben dem Walzenwehr, das die Stever zum Halterner See aufstaut und verlässt den See. Kurz vor den Toren der Altstadt endet diese Etappe auf der Römer-Lippe-Route, indem wir vor der Eisenbahnbrücke links abbiegen und auf den Bahnhof zufahren.

Radfahrerpause am Ufer des Halterner Stausees, unweit der Fahrgastschiff-Anlegestelle am Südufer
Radfahrerpause am Ufer des Halterner Stausees, unweit der Fahrgastschiff-Anlegestelle am Südufer

Für diejenigen, die nicht so gerne mit dem Fahrrad in der Bahn zurück zum Ausgangspunkt fahren möchten und diese Etappe als Rundroute auslegen, bietet sich eine Umrundung des Haltener Sees mit Fahrt zum Hullerner See an. Von dort über Olfen und die Alte Fahrt bis nach Datteln und zurück über die Uferwege des Dortmund-Ems- und Datteln-Hamm-Kanals bis Lünen (Komplett-Route Lünen-Haltern-Lünen ca. 80 Kilometer).

Die Fortsetzung ist hier zu lesen: Römer-Lippe-Route – Teil 3: Von Haltern am See nach Wesel

Geographische Koordinaten:
51°37’02.41″N, 7°31’45.38″E – Lünen Hauptbahnhof (Nordausgang)
51°37’01.44″N, 7°31’29.45″E – Persiluhr
51°37’13.45″N, 7°28’38.57″E – Haus Buddenburg
51°40’09.45″N, 7°27’23.60″E – Bahnhof Selm–Bork
51°40’45.33″N, 7°22’34.53″E – Lippebrücke der Alten Fahrt
51°42’14.40″N, 7°19’02.76″E – Gut Eversum
51°43’11.67″N, 7°13’58.64″E – Stiftskirche Flaesheim
51°42’02.55″N, 7°13’13.41″E – Feuerwachturm
51°43’54.25″N, 7°14’21.74″E – Westruper Heide (Südzugang)
51°44’32.91″N, 7°12’23.01″E – Walzenwehr Haltener See
51°44’16.78″N, 7°11’02.42″E – Bahnhof Haltern am See
Die Koordinaten können in das Eingabefeld von z.B. GoogleEarth und OpenStreetMap kopiert werden.

UTM-Koordinaten (Zone 32):
398177 m, 5719503 m – Lünen Hauptbahnhof (Nordausgang)
397870 m, 5719479 m – Persiluhr
394592 m, 5719917 m – Haus Buddenburg
393265 m, 5725384 m – Bahnhof Selm-Bork
387732 m, 5726611 m – Lippebrücke der Alten Fahrt
383763 m, 5729451 m – Gut Eversum
377940 m, 5731364 m – Stiftskirche Flaesheim
377020 m, 5729250 m – Feuerwachturm
378415 m, 5732668 m – Westruper Heide (Südzugang)
376167 m, 5733918 m – Walzenwehr Haltener See
374609 m, 5733458 m – Bahnhof Haltern am See

Quellen und weitere Informationen:

Römer-Lippe-Route: www.roemerlipperoute.de