Landmarken und Halden im Ruhrgebiet

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Zollverein in Essen

Die 1847 gegründete und 1986 stillgelegte Zeche im Norden der Stadt Essen im Stadtteil Katernberg ist eines der bekannten Objekte und Fotomotive im Ruhrgebiet. Zusammen mit der benachbarten Kokerei, die von 1957 bis 1993 arbeitete, wurde das Gelände als UNESCO-Weltkulturerbe eingestuft. Neben dem Kölner und Aachener Dom gehören in NRW sonst nur die Schlösser in Brühl dazu. Die Zeche Zollverein bildet einen wichtigen Ankerpunkt während der Feierlichkeiten zur Europäischen Kulturhauptstadt Ruhr 2010.

In diesem Artikel werden die eigentliche Zeche Zollverein, das Ruhr-Museum in der Kohlenwäsche, die benachbarte Kokerei Zollverein und die dazwischen liegende Halde vorgestellt. Er gliedert sich daher in vier Teile.

Teil 1: Zeche Zollverein

Berühmtestes Motiv der Zeche Zollverein ist der Doppelbock auf Schacht XII mit seiner Namensinschrift »Zollverein« in Frakturschrift. Die Gebäude wurden größtenteils gegen Ende der 1920er Jahre im damals hochmodernen Bauhausstil neu gebaut, also in geometrischen, meist kubischen Formen. Daher bestehen die Zechengebäude meist aus Backstein-Würfeln mit rechteckigen Fensterbändern. Entworfen wurde die Architektur von Fritz Schupp, der u.a. auch die Zeche Nordstern und die benachbarte Kokerei Zollverein plante.

Zeche Zollverein Schacht XII

Die Zeche sollte aber nicht nur gut aussehen - man sprach zeitweise von der »schönsten Zeche der Welt« - , sondern auch in gewisser Weise Macht ausstrahlen. Ein schönes Beispiel dafür ist eine Gebäudeschlucht (letztes Zollvereinbild rechts unten), in der die Laternen nach hinten immer niedriger wurden, was zu einer optischen Täuschung führte. Denn damit wurden die Ausmaße der Gebäude für das menschliche Auge vergrößert - also ähnlich wie beim Petersdom in der Vatikanstadt. Im Zuge einer Sanierung wurden die Leuchten jedoch demontiert und wegen Unwissenheit wieder in falscher Reihenfolge installiert. Nun sind alle Lichtquellen in dieser Flucht durcheinander und unterschiedlich hoch.

Das Freigelände der Zeche Zollverein kann zu jeder Tages- und Nachtzeit völlig frei besichtigt werden, ohne Eintritt bezahlen zu müssen. Es wird vielfach von Anwohnern als Park mit Industriegeschichte genutzt zum Joggen, Flanieren oder Ausführen von Hunden. Auch Fahrradfahrer sind vielfach anzutreffen. An einigen Stellen finden sich kleine Informationsstände, wo man Broschüren oder Antworten auf Fragen erhält. Wenn Sie also eine Frau freundlich lächelnd empfängt, möchte diese kein Eintrittsgeld verlangen, sondern nur Ihren Aufenthalt informativer ausgestalten. Im Gebäude der Kohlenwäsche ist seit 2010 das Ruhr-Museum untergebracht. Es wird kurz im Punkt »Teil 2« betrachtet. Vom Vorplatz führt eine große Rolltreppe hinauf in den hochliegenden Eingangsbereich des Museums. Sie ist orangefarben beleuchtet, was insbesondere in der Dunkelheit einen netten Effekt ergibt.

Auf den großen Eisenbahnverladebereichen hinter der Zeche Zollverein wurden die Gleise zu Fußgängerwegen umgebaut. Dabei sind die Schienen erhalten und der Raum dazwischen mit feinem Schotter aufgefüllt. Mit der Lage der Weichen verzweigen sich damit auch die Wege bzw. laufen Richtung Norden zu einem einzigen zusammen. Zwischen den Wegen stehen hier und da bunte Holzskulpturen, außerdem ist hier ein kleines Birkenwäldchen entstanden. Es gibt ein Besucherzentrum, von dem aus Führungen in Gruppen organisiert werden. Wer möchte, kann also an einer Führung über das Gelände teilnehmen, die zum Teil von ehemaligen Bergarbeitern der Zeche geleitet wird.

Ein Design-Museum existiert ebenfalls, ist Zollverein doch mit der »School of Management and Design« Kunst- und Designstandort geworden. Das entsprechend gestaltete kubische Gebäude befindet sich im Nordosten an der Halde Zollverein I / II.

Zeche Zollverein Schacht XII

Zeche Zollverein - Doppelbock auf Schacht XII

Zeche Zollverein Schacht XII

Verladebahnhof im südlichen Teil

Zeche Zollverein Gleise

Die ehemaligen Gleise sind nun Fußgängerwege

Zeche Zollverein Stellwerk

Stellwerk in passender Optik

Zeche Zollverein Schacht XII

Kubische Gebäude im Bauhausstil

Zeche Zollverein Schacht XII

Der Doppelbock auf Schacht XII

Zeche Zollverein Gleise

Rohrleitungen folgen dem Farbschema Rot

Zeche Zollverein Kunst zwischen Gleisen

Kunst, wo früher Kohle verladen wurde

Zeche Zollverein

 

Zeche Zollverein

Die angesprochene Gasse mit unterschiedlich hohen Lampen

Zeche Zollverein

Ehemaliger Rangierbahnhof und Fördergerüst von Zollverein

Zeche Zollverein

Lichtkunst im Ruhr-Museum

Im Ruhr-Museum befinden sich ein Café und auch sanitäre Einrichtungen. Der Zugang ist ohne Museumsbesuch möglich.

Teil 2: Das Ruhr-Museum

Anfang des Jahres 2010 wurde in der Kohlenwäsche der Zeche Zollverein das neue Ruhr-Museum eröffnet. Es gliedert sich in mehreren Ebenen, die als Etagen getrennt voneinander in den alten Industrieanlagen und Kohlebunkern der Wäsche angelegt sind und dem Weg der Kohle folgen. Inhaltlich befasst es sich mit verschiedenen Zeitepochen des Ruhrgebiets - rückwärts von der Moderne über die Industriezeit, das Mittelalter bis hin zur Prähistorie. Dabei betrachtet die Moderne die charakteristischen, guten, schlechten, lustigen, traurigen und verrückten Seiten der Metropolregion anhand zahlreicher Exponate, Multimedia-Anlagen, Bildern oder Statistiken. Persönliches Lieblingsexponat ist eine konservierte Staublunge. Einige Etagen tiefer wird die Zeit zurückgedreht. Hier werden unter anderem prähistorische Funde ausgestellt, ausgestopfte Tiere der Region und und und. Man sollte genügend Zeit mitnehmen, um die Ausstellungsstücke bewundern zu können.

Der Zugang zum Museum führt über eine lange, durch Medien inzwischen recht bekannte Rolltreppe, die orange beleuchtet ist, vom Platz unter dem Doppelbock von Schacht XII nach oben.

Theoretisch ist es erlaubt, im Museum ohne Blitz zu fotografieren. Es wird allerdings wie in den anderen Artikeln darauf verzichtet, Exponate aus dem Museum hier zu zeigen.

Teil 3: Kokerei Zollverein

Eine Kokerei dient der Produktion von Koks aus Kohle und ist daher meist in der Nähe von Förderanlagen dieses Rostoffs zu finden. Koks ist ein Brennstoff, der in der Stahlverhüttung zur Gewinnung von Eisen und Stahl aus Eisenerz benötigt wird. Dabei wird ein bestimmtes Mischungsverhältnis verschiedener Kohlesorten eine gewisse Zeit in schmalen Öfen "gebacken", schließlich gelöscht und abtransportiert. Ausführlich ist der Verkokungsprozess im Artikel über die → Kokerei Hansa in Dortmund beschrieben.

Wie die Kokerei Hansa gliedert sich die 1961 in Betrieb gegangene Kokerei Zollverein in die Schwarze und die Weiße Seite, wobei die Schwarze Seite die Koksproduktion und Vorbereitung an sich bezeichnet, die Weiße die Weiterverarbeitung von nebenher anfallenden Stoffen, zum Beispiel Gasen oder Flüssigkeiten. Die Kokerei wurde als letzte Anlage im Bereich von Zollverein 1993 geschlossen. Ein zunächst anvisierter Export der Anlagen nach China wurde nicht durchgeführt. Die Kokerei Zollverein steht heute unter Denkmalschutz und kann in Teilen Tag und Nacht frei besichtigt werden.

Die Gebäude der Kokerei weisen die gleiche Bauhaus-Architektur wie die der Zeche Zollverein auf. Kein Wunder - sie wurden ebenfalls vom Architekten Fritz Schupp entworfen und gebaut - ein »Corporate Design« der Nachkriegszeit. Als weitere Besonderheit besitzt die Kokerei ein kleines Riesenrad über den Koksöfen und ein Schwimmbecken, das in den Sommerferien kostenlos und frei benutzt werden kann. Auf dem Gelände der Kokerei fand die offizielle Eröffnungsfeier zur Kulturhauptstadt Ruhr 2010 statt.

Kokerei Zollverein

Kokerei Zollverein - die Weiße Seite mit Silos und Tanks

Kokerei Zollverein

Schwarze Seite mit 304 Koksöfen in mehreren Batterien

Kokerei Zollverein Kühltürme

Kühltürme und Kühlturmgerippe der Kokerei Zollverein

Kokerei Zollverein Sonnenrad (Riesenrad)

Das »Sonnenrad« - ein Riesenrad über den Koksöfen

Zeche Zollverein

Hohe Schornsteine und Rohrleitungen laufen neben den Öfen

Kokerei Zollverein

Durchblick neben den Koksöfen (rechte Seite)

Kokerei Zollverein

Schwarze Seite der Kokerei Zollverein

Zeche Zollverein

Koksöfen von der Seite gesehen

Zeche Zollverein

Sonnenrad und Öfen der Kokerei Zollverein

Zeche Zollverein

Silos der Weißen Seite, auch wenn sie rot gestrichen sind

Kokerei Zollverein

Förderbänder

Kokerei Zollverein

 

Auf dem Gelände der Kokerei befindet sich ein Café mit sanitären Einrichtungen im östlichen Bereich der Koksöfen.

Teil 4: Halde Zollverein XII (Essen)

Die Zeche Zollverein hat neben anderen Bergehalden (z.B. Schurenbachhalde) drei nach ihr benannte Abraumberge angeschüttet. Halde Zollverein I / II ist ein bewaldeter und unzugänglicher Spitzkegel direkt neben dem Gelände der Zeche Zollverein an der School of Management and Design - passenderweise an der »Haldenstraße« gelegen. Bereits auf dem Stadtgebiet von Gelsenkirchen befindet sich die größere Halde Zollverein IV / XI direkt an der Trabrennbahn Nienhausen. Diese Halde wird demnächst näher betrachtet.

Kern dieses Kapitels 4 ist die niedrige Halde zwischen der Zeche und der Kokerei Zollverein, die keine konkrete differenzierte Bezeichnung trägt, aber nach der Schachtanlage gut und gerne als »Halde Zollverein XII« bezeichnet werden könnte. Diese diente hauptsächlich der Zwischenlagerung des tauben Gesteins aus der Zeche. Sie ist in der Landschaft durch ihre geringe Höhe kaum als Bergehalde zu erkennen. Als »Skulpturenwald« befinden sich auf dem Grund und Boden der Halde große Granitsteine von Ulrich Rückriem, der bekannt für seine kubischen Werke ist. Mit diesen Formen wird vor allem auf den Baustil der Zeche eingegangen. Neben den Steinquadern fällt vor allem die kleine erhaltene Kläranlage auf, die dem Design der Zechengebäude folgend ebenfalls im Bauhausstil errichtet wurde. Eine Überquerung der Halde kann bei einem Gang von der Zeche zur Kokerei als Abkürzung erfolgen.

Halde Zollverein (Essen)

Die niedrige Halde Zollverein auf dem Gelände der Zeche

Granitquader von Ulrich Rückriem auf Halde Zollverein

Granit-Blöcke von Ulrich Rückriem im Skulpturenwald

Halde Zollverein XII

Kläranlage am Rande der Halde

Halde Zollverein in Essen

Halde Zollverein XII, hinten Gerippe von Kühltürmen der Kokerei

Halde Zollverein Halde Zollverein

Teil 5: Halde Zollverein IV / XI

folgt in absehbarer Zeit nach.

Teil 6: Die Anreise zur Zeche Zollverein und Kokerei Zollverein

Anfahrt mit dem Auto: Auf der A42 bis AS 15 »Gelsenkirchen-Heßler«, dort der Straße Richtung Essen / Stoppenberg und der Beschilderung zur Zeche Zollverein folgen. In der Nähe der Zeche sind mehrere Parkplätze vorhanden und sehr gut ausgeschildert. Parken ist kostenlos.

Navigation: Gelsenkirchener Straße (Kreuzung Drostenbusch) in 45141 Essen
Koordinaten: 51°29'11.14"N, 7° 2'40.94"E (Platz vor Schachtanlage XII)

Anreise mit dem ÖPNV: Mit der S2 oder dem RE 3 von Dortmund oder Duisburg bis »Essen-Zollverein Nord«, von dort laufen oder mit der Straßenbahn Linie 107 bis »Zollverein«. Achtung: Der Rhein-Emscher-Express (RE 3) hält hier nur im Jahr der Kulturhauptstadt 2010. Normalerweise hält hier nur die S2 im Stundentakt und der Haltepunkt heißt »Katernberg Süd«!

Alternativ von Essen Hbf mit der Straßenbahn der Linie 107 in Richtung Gelsen- kirchen bzw. Hanielstraße bis »Zollverein« (ca. 15 Minuten Fahrtzeit).

Karte Zeche Zollverein / Kokerei Zollverein

 

Teil 6: Weitere Informationen:

Zeche Zollverein www.zollverein.de
Weltkulturerbe Zollverein bei Unesco www.unesco.de/ ...
Ruhr-Museum Essen www.ruhrmuseum.de

Thema Kokerei Hansa Dortmund

 

www.ruhrgebiet-industriekultur.de

 

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Angaben zur Anreise mit dem ÖPNV sowie Straßennamen sind ohne Gewähr und vor einem Besuch selbst auf Richtigkeit zu überprüfen.

(c) Bilder, Karten, Text und Grafiken: S. Hellmann - www.ruhrgebiet-industriekultur.de • Stand: 02 / 2012