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LWL-Industriemuseum

Schiffshebewerk Henrichenburg in Waltrop

Besucher im Revier verbinden mit Datteln eher die Vorstellung einer Palme in der Südsee als ein Drehkreuz der deutschen Binnenschifffahrt und der europaweit einzigartigen Lage an vier wichtigen, künstlichen Wasserstraßen zugleich. Tatsächlich stißen südlich der Stadt gleich drei Wasserstraßen direkt aufeinander: der Rhein-Herne-Kanal aus Duisburg, der Datteln-Hamm-Kanal aus Hamm und der Dortmund-Ems-Kanal aus Meppen und Dortmund. Einige Kilometer nördlich zweigt außerdem der Wesel-Datteln-Kanal Richtung Wesel ab.

Der hier beginnende etwa 15 Kilometer lange Kanalabschnitt zum Dortmunder Hafen liegt fast 15 Meter höher als die anderen drei Kanäle. Zusammen mit diesem Abschnitt wurde 1899 das zur Überbrückung des Höhenunterschiedes notwendige Schiffshebewerk Henrichenburg in Waltrop-Oberwiese eröffnet. Der Antrieb des mächtigen Troges, in dem die Schiffe wie in einem Aufzug zwischen den Ebenen transportiert wurden, war eine Neuerung. Statt eines Seilzuges oder hydraulischer Hauptantriebskraft ruht der Trog auf Schwimmkörpern in wassergefüllten Zylindern. Es bedurfte nur wenig Kraft, den "Aufzug" mit dem Schiff abzusenken oder zu heben. Im Jahre 1970 wurde das in die Jahre gekommene Alte Hebewerk in Ruhestand versetzt und verfiel zunächst zu einer Ruine, bevor der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) die Anlage 1979 übernahm, sie renovierte und das heute hier eingerichtete LWL-Insdustriemuseum als eines von acht Standorten in NRW neben beispielsweise der Zeche Zollern, der Zeche Nachtigall oder der Henrichshütte in Hattingen eröffnete.

Bereits im Jahr 1914 entstand in unmittelbarer Nähe zum Schiffshebewerk die erste Sparschleuse zusammen mit der Fertigstellung des Rhein-Herne-Kanals. Das Prinzip der Schleuse ist sehr einfach: Das Schiff fährt in die Schleusenkammer, in der der Wasserspiegel auf das untere oder obere Niveau angepasst wird, also abgesenkt oder erhöht wird. Die Schleuse wurde wassersparend konzipiert, da der Kanal in Richtung Dortmunder Hafen praktisch keinen Wasserzulauf hat und künstlich aufgefüllt werden muss. Um beim Schleusenvorgang möglichst wenig kostbares Wasser vom sogenannten Oberwasser in das Unterwasser zu verlieren, entstanden Speicherbecken, die den Verlust kompensieren konnten. Die Alte Schachtschleuse wurde 1989 außer Betrieb genommen, renoviert und ist heute in den Schleusenpark Waltrop integriert. Durch das Schleusentor führt ein Fußweg. Neben der Alten Schachtschleuse wurde 1962 die dritte Anlage zum Heben oder Senken der Schoffe gebaut: das Neue Hebewerk ist entstanden. Rein von der Technik her ähnelt es dem Alten Hebewerk, basiert dieses doch ebenfalls auf Schwimmern. Im Jahre 2005 hat man das Neue Hebewerk aufgrund technischer Mängel ebenfalls geschlossen. Derzeit wird über den Erhalt bzw. die Reparatur diskutiert. Die damit einzige in Betrieb befindliche Hebeanlage ist die zwischen der Alten Schachtschleuse und dem Neuen Hebewerk im Jahr 1989 erbaute Neue Schleuse, das vierte Kanal-Bauwerk in Oberwiese. Auch sie ist wassersparend mit Speicherbecken konstruiert, um den Verlust im Oberwasser Richtung Dortmund möglichst gering zu halten.

Altes und Neues Hebewerk können in einem Freilichtmuseum besucht werden, der Schleusenpark Waltrop mit der Alten Schleuse selbst ist frei zu besichtigen. Insbesondere im Alten Hebewerk bekommen Besucher einen eindrucksvollen Einblick in die Schiffshebetechnik. Die beiden markanten Türme des Hebewerkes mit ihren charakteristischen Kugeln auf der Spitze sind Treppenhäuser, über die eine Brücke auf dem Gerüst bestiegen werden kann. Von hier aus bietet sich ein guter Blick auf das Stahlgerüst und auch in die Umgebung. Begehbar ist außerdem der Trog, in dem die Schiffe auf und ab bewegt wurden. Im Außengelände rings um den alten Schiffsaufzug stößt der Besucher auf die Thematik der Binnenschifffahrt. Sie wird mit einigen besonderen Dampfschiffen, einer Werft, einer nachgebauten Verladeanlage und einer alten Hubbrücke vorgestellt. Informationstafeln erläutern die jeweiligen Objekte. Steuerungseinrichtungen und Illustrationen zum Prinzp der Hebewerktechnik lassen sich in einem kleinen Haus neben dem monumentalen Stahlgerüst besichtigen.

Während die meisten technischen Fragen im Museum geklärt werden sollen, stellt sich eine Frage erst beim Betrachten einer Umgebungskarte. Warum ist das Schiffshebewerk, obwohl auf dem Stadtgebiet von Waltrop liegend, nach dem Vorort Henrichenburg im benachbarten Stadtgebiet von Castrop-Rauxel benannt? Die Antwort ist einfach: Begründen lässt sich dies durch eine Gebietsreform von 1975, in der die Stadt Waltrop den Ortsteil Henrichenburg an Castrop-Rauxel verlor. Die Grenze wurde zwischen Hebewerk und den namensgebenden Ort gelegt.

Schiffshebewerk Henrichenburg

Altes Schiffshebewerk Henrichenburg

Hebewerk Henrichenburg

Auf dem Alten Hebewerk

Schiffshebewerk

Stahlgerüst des Alten Hebewerks in Waltrop

Datteln-Hamm-Kanal in Waltrop

Unterwasser am Schleusenpark Waltrop

Schiffshebewerk in Waltrop

Oberwasser und Hebewerk

Alte Sparschleuse in Waltrop

Alte Spar-Schachtschleuse, dahinter neue Schleuse und Kraftwerk

Dampfschiff Fortuna in Waltrop

Dampfschiffe im Museum

Werft am Dortmund-Ems-Kanal in Waltrop

Werft und nachgebaute Verladeanlage

Hubbrücke am Schiffshebewerk Henrichenburg

Hubbrücke von 1897 über das Oberwasser das Kanals

Dampfschiff Cerberus

Höllenhund »Cerberus« auf der Hellinganlage

Altes Hebewerk Henrichenburg in Waltrop

Altes Hebewerk von der Hubbrücke aus gesehen

Hubbrücke und Dortmund-Ems-Kanal

Hubbrücke mit Kanaldurchlass

Das LWL-Industriemuseum Schiffshebewerk Henrichenburg ist ganzjährig mit wenigen Ausnahmen Di-So 10.00-18.00 Uhr sowie an Feiertagen, die auf einen Montag fallen, geöffnet. Der Eintritt kostet für Erwachsene 4,- Euro, Kinder bis 17 Jahre und Schüler zahlen 2,- Euro, der ermäßigte Eintritt für Studenten, Azubis, schwerbehinderte mit Vorlage des Ausweises beträgt 2,50 Euro. Es existiert ein Kombiticket mit Extrakosten, das den Besuch einer Ausstellungshalle an der Neuen Schleuse ermöglicht.

Im Sommerhalbjahr befindet sich auf dem Gelände des Museums mit dem Gastrobus eine Einkehrmöglichkeit.

Hunde können an der Leine geführt auf das Gelände mitgenommen werden.

Anreise zum Schiffshebewerk Henrichenburg mit dem Auto: Auf der A2 bis zur Ausfahrt 11 Henrichenburg / Datteln. Aus allen Fahrtrichtungen rechts auf die B235 Richtung Datteln abbiegen. Vor der Kanalbrücke an der nächsten Ampel rechts in die Hebewerkstraße abbiegen. Am Ende der Ortschaft befindet sich ein ausgeschilderter Parkplatz direkt am Eingang des Museums.

Eingabe in das Navigationssystem: Am Hebewerk 2 in 45731 Waltrop
Koordinaten: 51°36'57.90"N, 7°19'34.79"E (Eingang / Parkplatz; Copy & Paste in GoogleEarth möglich)

Anreise mit dem ÖPNV: Von Dortmund, Essen, Duisburg, Oberhausen oder Wanne-Eickel Hbf mit den Linien RE 3 oder S2 bis Castrop-Rauxel Hbf. Dort umsteigen in den Schnellbus SB22 Richtung Datteln-Busbahnhof. Der Bus verkehrt im Halbstundentakt. Fahren Sie bis zur Haltestelle Wittener Straße (eine zuvor zum Bereitmachen: Heidestraße (= hinter der Kanalbrücke)). Von dort etwa fünf Minuten zu Fuß in die Provinzialstraße, über den Kanal und die nächste rechts Am Hebewerk. Folgen Sie in diesem Falle NICHT der Beschilderung "Schiffshebewerk", da hier die aktive Schleuse gemeint ist. Der Fußweg beträgt etwa 600 Meter.

Die Anreise für die dieser Dokumentation zugrunde liegender Besichtigung wurde ausschließlich mit dem öffentlichen Nahverkehr durchgeführt.

Weitere Informationen:

Offizielle Webseite (LWL) www.schiffshebewerk-henrichenburg.de
Schleusenpark Waltrop www.hebewerk-henrichenburg.de
Route Industriekultur (RVR) www.route-industriekultur.de
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Angaben zur Anreise mit dem ÖPNV sowie Straßennamen sind ohne Gewähr und vor einem Besuch selbst auf Richtigkeit zu überprüfen.
(c) Bilder, Karten, Text und Grafiken: S. Hellmann • www.ruhrgebiet-industriekultur.de • Stand: 02 / 2012